Fachtagung Perspektiven für Menschen mit Down-Syndrom


Vom 09.–11. September 2011 fand an der Universität zu Köln die Fachtagung „Perspektiven für Menschen mit Down Syndrom“ statt.

Aufbau von positivem Verhalten in der Erziehung – dieser Workshop wurde von Sabine Berndt geleitet.
Frau Berndt ist Ergotherapeutin, Psychotherapeutin, SI-Therapeutin sowie ADS-Elternberaterin in Hamburg. Sie arbeitet unter anderem nach dem LOVT-Konzept. Die Abkürzung LOVT bedeutet: LösungsOrientiertes VerhaltensTraining.

 

Die folgenden Erklärungen sind ihrer Homepage www.ergo-berndt.de entnommen.

Das LOVT-Konzept ist ein verhaltenstherapeutisch-lösungsorientierter Therapie- und Interventionsansatz. Es orientiert sich auf der Basis von Ergebnissen der psychologischen Grundlagenforschung und an den Ressourcen von Betroffenen und deren Familien. Dieser Ansatz wird ständig weiterentwickelt und deckt den gesamten Altersbereich, vom Baby über den Jugendlichen, bis zum Erwachsenen, ab.
Für den Bereich der Down-Kinder, autistische Kinder, Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen/ Verhaltensauffälligkeiten usw. – als auch für Kinder mit Lernschwierigkeiten wird dieses Konzept erfolgreich eingesetzt. Ein besonderer Arbeitsschwerpunkt liegt in der Prävention von seelischen Störungen.

 

Das LOVT-Konzept umfasst die Therapie mit Babys, Kindern und Jugendlichen.
Die positive Beziehung zwischen den Kindern und ihren Bezugspersonen steht als wichtiges Ziel im Zentrum jeder Behandlung. Die Beziehung dient als Brücke zum Aufbau von „ich will mich anstrengen“ und zum Aufbau positiver Eigensteuerung in den verschiedensten Lebensbereichen. Eine günstige Eigensteuerung bedeutet hohe Motivation, Anstrengungsbereitschaft, Selbstsicherheit, Kooperation mit den Bezugspersonen (auch Therapeuten, Lehrern, Erziehern), positiver Umgang mit schwierigen Fördersituationen und positiver Umgang mit den eigenen Schwierigkeiten. Das LOVT-Konzept ermöglicht selbst bei extrem unkooperativen, lernunwilligen Kindern eine hohe Lernmotivation aufzubauen. Die Kinder lernen in ihrem eigenen Tempo, gemäß ihrer individuellen Fähigkeiten, zu lernen.

 

Das LOVT-Konzept nutzt die Videotechnik, um das Verhalten – wieso man etwas macht – zu analysieren. Es geht dabei um das Erlernen der Wahrnehmung, der eigenen, unbewussten Signale, die ungünstig bei der Forderung des Lernens für das Kind sein können.
Das Ziel dieses Ansatzes ist es, ungünstige, unbewusste Signale bewusst zu machen und anschließend zu versuchen, neues, alternatives Verhalten und somit hilfreiche Signale aufzubauen. Dies ist dann ein erster Schritt zur positiven Außensteuerung der Bezugspersonen. Das Kind kann durch die positive Außensteuerung (d. h. günstige Signale und angemessene Rückmeldung durch die Bezugsperson) lernen, eine günstige Eigensteuerung aufzubauen.

 

Da das LOVT-Konzept ein lösungsorientierter Ansatz ist, wird mit den Bezugspersonen ein zielorientiertes Anamnesegespräch geführt und bei der Therapie auf die jeweiligen Ressourcen der Familien geachtet.

 

Frau Berndt begeisterte in ihrem Vortrag rund 300 Interessierte mit Videobeispielen von alltäglichen „Mutter-Kind-Situationen“. Das Spezielle daran ist, dass das Kind jeweils in einem Vermeidungsverhalten feststeckt.

 

In der sekundengenauen Videoanalyse erläuterte Frau Berndt die Bedeutung der „Verhaltenssteuerung im Sekundenfenster“. Was bedeutet das ?

Feedback im Sekundenfenster

Jedes erwünschte oder unerwünschte Verhalten ist gelernt. Kinder orientieren sich unbewusst dabei intensiv am unmittelbaren Feedback ihrer Bezugspersonen auf ihr Benehmen. Alle Reaktionen, die eine Bezugsperson bis zu längstens EINER SEKUNDE nach dem Verhalten des Kindes setzt, entscheiden über dessen weitere Handlungsweisen. Damit sind sowohl belohnende als auch bestrafende Signale einer Bezugsperson gemeint. Im Erkennen der Konsequenzen eines Verhaltens ist die unbewusste Verarbeitung um ein Vielfaches schneller als die bewusste. Alle Informationen, die außerhalb des Sekundenfensters eintreffen, können nicht bewusst, sondern nur unbewusst wahrgenommen werden. Meist ist es den Bezugspersonen jedoch nicht bewusst, was sie genau in diesem so ausschlaggebenden Sekundenfenster tun, da dies vor allem Körperhaltung, Gestik und Mimik betrifft. Doch dieses unbewusst ablaufenden Interaktionsmuster entscheiden!

 

Ziele

Jedes Verhalten ist zielgesteuert. Für die meisten Menschen, unabhängig von der Anzahl ihrer Chromosomen, sind Anerkennung und Zuwendung höchst erstrebenswerte Ziele. Wenn sich ein Mensch mit Down Syndrom über sein Vermeidungsverhalten ein Höchstmaß an Zuwendung und Aufmerksamkeit verschaffen sowie Macht und Kontrolle ausüben kann, wird das Erbringen von Leistung fast unmöglich gemacht.

 

Mithilfe des LOVT-Konzeptes können Eltern und andere Bezugspersonen anhand des Sekundenfensters lernen, sozial unerwünschtes oder selbstblockierendes Verhalten ihres Kindes in eine positive Richtung zu lenken. Das Kind kann so etwa lernen, stolz auf seine Anstrengung zu sein, mit Fehlern umzugehen, eine angemessene Arbeitsgeschwindigkeit zu entwickeln oder auch in Abwesenheit der Bezugsperson zielgerichtet zu arbeiten.

 

Und so wird den kleinen und auch größeren Sturköpfen auch bei Essproblemen, dem Kampf ums Anziehen und Zähneputzen oder anderen täglichen Provokationen allmählich der Wind aus den Segeln genommen.

 

Wenn Sie sich für das LOVT-Konzept näher interessieren, sowie Ihre eigene Reaktionsweise im Sekundenfenster verändern wollen, haben Sie die Möglichkeit, Frau Berndt zu kontaktieren. Sie bietet zahlreiche Seminare in Ihrer Praxis Hamburg an. Oder Sie lernen Frau Berndt in ihrem Workshop bei unserer Down Syndrom Tagung 2012 in Salzburg kennen.