Allgemeine Begriffsdefinitionen


Außensteuerung:

Die Außensteuerung beinhaltet bewusst eingesetzte Signale der Bezugsperson eines Kindes um das Verhalten des Kindes zu beeinflussen.

Bsp.: Beim Essen bittet die Mutter das Kind still zu sitzen.

Automatisierung:

Eine zuerst bewusste Handlung wird zu einer Handlung ohne Nachdenken und erfordert weniger Anstrengung. Automatisierung findet statt, wenn 2 Gesetzmäßigkeiten gleichzeitig eingehalten werden:

  1. eine hohe Anzahl an Wiederholungen
  2. ein Reiz wird immer mit dem gleichen Verhalten beantwortet

Bsp.: Das Kind lernt, dass sich eine Tür beim Herunterdrücken der Türklinke öffnet. Nach einiger Zeit denkt es nicht mehr bewusst darüber nach, wie sich die Tür öffnen lässt, sondern macht es einfach. 

Sekundenfenster:

Das Verhalten von Menschen wird überwiegend durch unbewusst wahrgenommene Folgen beeinflusst. Ein Mensch richtet daher sein Handeln überwiegend danach aus, wie Bezugspersonen im zeitlichen Abstand von weniger als einer Sekunde reagieren.

Bsp.: Wenn ein Kind seinen Ranzen fertig packt und die Mutter mit einem lächelnden Gesicht daneben steht, dann nimmt das Kind auf unbewusster Ebene ein gutes Gefühl wahr. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird das Kind den Ranzen bei den nächsten Malen mit Spaß packen.

Graphmotorik:

Graphmotorik ist die Fähigkeit mittels der Hand und einem Schreibgerät auf einem Untergrund graphische Zeichen, wie z.B. Buchstaben und Ziffern, zu produzieren. 

Kurzzeitgedächtnis/Kurzzeitspeicher:

Im Kurzzeitgedächtnis können bewusste Informationen bis zu 20 Sekunden, wenn keine Wiederholung stattfindet, gespeichert werden. Insgesamt können sich zwischen 5 und 9 Dinge gemerkt werden. Durch Wiederholungen werden die Informationen im Kurzzeitgedächtnis gehalten. Je länger die Informationen dort gehalten werden, desto besser ist der Übertrag ins Langzeitgedächtnis. 

Langzeitgedächtnis/Langzeitspeicher:

Über ausreichende Wiederholungen werden Informationen aus dem Kurzzeitgedächtnis im Langzeitgedächtnis abgelegt. Ein anhaltender Zugriff ist möglich, wenn die Informationen regelmäßig weiter abgerufen werden. Das Langzeitgedächtnis ist die „Bibliothek des Gehirns“.

Kortikale Neuorganisation:

Vor dem Lösen komplexer Aufgaben müssen zunächst einzelne Teilschritte erlernt werden. Wenn der Mensch die einzelnen Teilschritte automatisiert hat, braucht er weniger Zeit diese Informationen abzurufen und er kann parallel neue Informationen aufnehmen beziehungsweise bearbeiten.

Während des Automatisierungsvorgangs baut sich das Gehirn um = kortikale Neuorganisation.

Bsp.: Bei der Aufgabe 5+7 müssen Kinder erst die Ziffer und die Bedeutung des Plus-Zeichens erlernen um die Aufgabe rechnen zu können. Nach der Automatisierung der Zeichen kann das Kind gleichzeitig neben dem sofortigen Erfassen der Ziffern und des Plus-Zeichens das Ergebnis ausrechnen.

Lerntiefen:

Es gibt 5 Stufen, die im Lernprozess eine eigene Aufgabe haben. Die aufgenommenen Informationen erreichen unterschiedliche Qualitätsformen.

 

Bsp.: Ein Kind lernt den Buchstaben A.

 

Stufe 1: Verstehen

Das Kind lernt den Buchstaben A kennen.

 

Stufe 2: Überlernen

Das Kind wiederholt den Buchstaben A.

 

Stufe 3: Automatisieren

Das Kind erkennt den Buchstaben A ohne Nachdenken zu müssen.

 

Stufe 4: Flexibilisierung der Automatisierung

Das Kind erkennt den Buchstaben A bspw. in einer anderen Schrift oder auf dem Kopf stehend.

 

Stufe 5: Automatisieren des Flexibilisierens

Das Kind kann in vielen Situationen den Buchstaben A erkennen ohne Nachdenken zu müssen.